Salzluft, Spritzwasser und ein nasses Holster gehören an der Küste und an Bord zum Alltag. Eine Dienstpistole muss das über Jahre wegstecken und im entscheidenden Moment funktionieren. Genau hier setzt die HK SFP9 M an: bei den Anforderungen an eine Kurzwaffe, die regelmäßig im maritimen Umfeld geführt wird.
Das macht die maritime Variante auch jenseits von Kampfschwimmern interessant. Boardingkräfte, Wasserschutzpolizei und andere küstennah eingesetzte Kräfte haben unterschiedliche Aufträge, teilen aber einen Teil dieser Materialbelastung. Für die Einordnung lohnt sich deshalb ein genauer Blick: Was hat HK verändert, was wurde erprobt – und welche Nutzer sind tatsächlich belegt?
Vom Auftrag zur Waffe
Die HK SFP9 M gehört zur Dienstpistolenfamilie von Heckler & Koch. Technisch ist sie eine vollständig vorgespannte Schlagbolzenpistole im Kaliber 9 × 19 mm mit modifiziertem Browning-Verschluss. Im Polizeidienst kann eine solche Pistole die reguläre Dienstwaffe sein; militärisch wird sie typischerweise als Zweitwaffe geführt.

Schon das Titelblatt der POLIZEIPRAXIS 2022/2 stellt die SFP9 als „System-Familie“ vor. Es zeigt eine Ausführung mit Reflexvisier und Schalldämpfer; das Titelmotiv ist kein Beleg für die M-Variante. Die maritimen Eigenschaften behandelt der Fachbeitrag auf den Seiten 17–19. Sein Autor Marc Roth ist HK-Produktstratege. Der Text ist deshalb als Herstellerdarstellung einzuordnen.
Wie konkret ein maritimer Bedarf entstehen kann, schildert HK-Produktstratege Marc Roth in seinem Fachbeitrag in Polizeipraxis 2022/2, Seiten 17–18: Ein deutscher Nachrichtendienst habe eine Ausführung für Boardingpersonal gefordert. Die Waffe sollte Seeluft und Spritzwasser beim Einsatz auf Schlauchbooten standhalten und auch nach einem Sturz über Bord zuverlässig funktionieren.
Das ist ein nachvollziehbares Anforderungsbild. Schon das ständige Führen in feuchter, salzhaltiger Umgebung beansprucht eine Waffe. Korrosion an kleinen Bauteilen und schwer zugänglichen Stellen kann Wartungsaufwand, Lebensdauer und schließlich die Einsatzbereitschaft beeinflussen. Der Nutzen einer maritimen Ausführung beginnt deshalb bereits im täglichen Dienst an Küste und Hafen.
Was die maritime Ausführung ausmacht
Laut HK-Bedienungsanleitung, Kapitel 4.10, Seite 30 besitzt die HK SFP9 M eine salzwasserresistente Spezialbeschichtung. HK nennt außerdem erhaltene Nutzungsfähigkeit nach Salzsprüh- und Langzeit-Salzwassertests nach der dort angeführten NATO-Vorschrift AC225. Das sind Herstellerangaben zu konkreten Belastungen; eine eigenständige „NATO-Zertifizierung“ wird damit nicht nachgewiesen.


Äußerlich nennt Roth den Anker mit Neptun-Dreizack, die M-Gravur und die stärker ausgeprägten Verschlussrillen als Erkennungsmerkmale. Holster- und Zubehörschnittstellen entsprechen nach seiner Darstellung den Standardausführungen. Das erleichtert die Einbindung in vorhandene Ausrüstung – die maritime Eignung selbst muss sich jedoch an den beschriebenen Eigenschaften und Prüfungen messen lassen.
Auch das Magazin des hier gezeigten Exemplars trägt die Anker-/Dreizackmarkierung. Das eigene Foto zeigt dieses Detail unmittelbar. Welche Beschichtung einzelne Magazinbauteile erhalten haben und wie sie geprüft wurden, lässt sich aus dem Zeichen allein nicht ablesen.
Auch beim Abzug zählt die genaue Ausführung. HK führt die maritime Variante mit Abzügen nach der Technischen Richtlinie für Polizeipistolen (TR) und mit dem Special-Forces-Abzug (SF). SF bezeichnet hier eine Abzugscharakteristik mit kürzeren Wegen. Aus dem M allein lässt sich daher kein eigener, für alle Exemplare identischer „Maritim-Abzug“ ableiten.
Over the Beach und Schussabgabe unter Wasser
Beim Wasserkontakt sind drei Fragen auseinanderzuhalten: Korrosionsbeständigkeit, Schussbereitschaft nach dem Auftauchen und Funktion während einer Schussabgabe unter Wasser. HK hat zur HK SFP9 M Aussagen zu allen drei Bereichen veröffentlicht.
Das HK-Advertorial in ES&T vom Juni 2017, PDF-Seite 7 bewirbt bereits störungsfreie Funktion unter Wasser. Konkreter wird Roth 2022 auf Seite 19, Fußnote 21: Bei firmeninternen Versuchen habe die HK SFP9 M in 50 cm tiefem Wasser wiederholt jeweils zwei Magazine zu 15 Schuss nacheinander störungsfrei verschossen. Auch der Verschlussfang habe nach dem letzten Schuss funktioniert. Beschrieben wird damit die Funktion als Selbstladepistole unter Wasser, einschließlich des Nachladezyklus – deutlich mehr als das bloße Überstehen eines Tauchgangs.
Davon unterscheidet Roth Over the Beach (OTB): die nach seiner Darstellung funktions- und schützensichere Schussabgabe im halbgetauchten Zustand sowie unmittelbar nach dem Auftauchen oder der Entnahme aus dem Wasser. Die Unterwasserversuche sind ein konkreter Herstellerbericht. Eine uneingeschränkte Freigabe für andere Wassertiefen, Munition oder Einsatzbedingungen lässt sich daraus nicht ableiten; ein vollständiges unabhängiges Prüfprotokoll liegt hier nicht vor.
Wer nutzt die HK SFP9 M?
Die Quellen zeichnen ein differenziertes Bild. Für Mecklenburg-Vorpommern dokumentiert eine Regierungsantwort von 2018 die Ausgabe der HK SFP9 TR. Roth bezeichnet die dort eingeführte Ausführung als HK SFP9M-TR. Die Zuordnung zur maritimen Variante stammt also aus der Herstellerpublikation.
Für japanische Spezialkräfte nennt Marc Roth im HK-Fachbeitrag 2022, Seite 17 ausdrücklich die HK SFP9 M als eingeführte Pistole, auch bei Heer und Luftwaffe. Das ist eine Herstellerangabe; eine unabhängige amtliche Bestätigung der M-Version liefern die hier ausgewerteten japanischen Unterlagen nicht.
| Nutzerbezug | Quelle | Was sich daraus ableiten lässt |
|---|---|---|
| Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern | Regierungsantwort 2018; HK-Fachbeitrag 2022 | Ausgabe der HK SFP9 TR amtlich dokumentiert; maritime Ausführung HK SFP9M-TR laut HK |
| Japanische Spezialkräfte | HK-Fachbeitrag 2022 | Einführung der HK SFP9 M laut Hersteller; die angeführten Behördenunterlagen schlüsseln diese Variante nicht auf |
Amtlicher Kontext zur SFP9-Familie: Der Verteidigungshaushalt 2022, Seite 47 und die Beschaffungsplanung 2024, PDF-Seiten 1–3 (Archivfassung vom 27. Mai 2024) nennen die SFP9 ohne M-Zusatz. Diese Dokumente belegen keine Beschaffung der M-Version und keine erfolgte Ausgabe. Sie werden hier zur Abgrenzung der allgemeinen SFP9-Beschaffung von der Herstellerangabe zur maritimen Variante aufgeführt.
Auch die oft erzählte Verbindung zu deutschen Kampfschwimmern verdient einen zweiten Blick. Die Beschreibung des Vickers-Tactical-Videos vom 28. November 2020 führt die Entwicklung auf deren Forderung zurück. Roth nennt den Nachrichtendienst und grenzt diesen Entwicklungsanlass ausdrücklich von Kampfschwimmern und Minentauchern ab. Das sind unterschiedliche Darstellungen zur Entstehung. Eine spätere Nutzung durch das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) ist damit weder belegt noch ausgeschlossen. Für Beschaffung oder Ausgabe beim KSM und bei der GSG 9 der Bundespolizei fehlt in den hier ausgewerteten Quellen ein öffentlicher Primärbeleg.

Technischer Überblick
Die aktuellen Werte stammen aus der HK-Anleitung 015.0426, Seite 31 und dem ausdrücklich ausgewählten M-Datensatz der Produktseite, Stand 28. Oktober 2026.
| Merkmal | HK SFP9 M laut HK |
|---|---|
| Kaliber | 9 × 19 mm |
| Länge × Breite × Höhe | 186 × 33 × 138 mm |
| Lauflänge / Visierlinie | 104 / 162 mm |
| Gewicht ohne Magazin und Zubehör | 620 g laut Produktseite |
| Leeres 15-Schuss-Magazin | 93 g laut Produktseite |
| Angeführte Magazinoptionen | 15, 17 und 20 Patronen |
| SF-Abzug laut aktuellem M-Datensatz | 22 + 5 N; Abzugsweg 6 mm; Reset 3 mm |
Die ältere englische HK-Anleitung 013.0721, Seite 30 nennt 710 g mit Magazin. Der unterschiedliche Gewichtsbezug erklärt, weshalb sich solche Daten nur mit ihrem jeweiligen Bezugsstand vergleichen lassen. Auch heutige Magazinoptionen sagen noch nichts über den Lieferumfang einer früheren Beschaffung aus.
Was die HK SFP9A1 übernimmt – und was offenbleibt
Die neue HK SFP9A1 greift tatsächlich maritime Merkmale auf. HK nennt auf der Behörden-Produktseite ein maritimes Verschlussdesign mit zusätzlichen Rillen. Die Anleitung vom Mai 2026, Seite 24, führt außerdem eine spezielle Beschichtung für maritime Einsätze auf. Welche Konfigurationen sie erhalten, wird dort jedoch nicht eindeutig aufgeschlüsselt. Ebenso fehlen in den geprüften Unterlagen entsprechend zugeordnete Salzprüfungen nach AC225 sowie die für die HK SFP9 M beschriebenen OTB- und Unterwasserversuche. Maritime Merkmale sind damit belegt; eine gleichwertige maritime Qualifikation der gesamten A1-Familie bleibt offen. Das ist eine Nachweislücke, kein Beleg mangelnder Eignung.

Beim Blick auf die Verschlüsse wird der Unterschied greifbar: Die hier gezeigte Standard-SFP9 hat eine andere Rillung als M und A1. Bei den beiden letzteren sind die zusätzlichen Rillen zu erkennen, bei der M außerdem das Anker-/Dreizackemblem. Die von HK auf der A1-Produktseite gezeigte Waffe trägt im Foto die Beschriftung „SFP9 OR“, keinen sichtbaren A1-Zusatz. Der Vergleich belegt die äußere Gestaltung; gleiche Beschichtungen oder dieselben maritimen Prüfungen lassen sich daraus nicht ableiten.
Bei den Magazinen verspricht HK eine zu HK P30 und bisheriger HK SFP9 rückwärtskompatible Konstruktion und beschreibt einen überarbeiteten „Grip & Rip“-Boden. Auch das A1-Handbuch, Seite 16, verweist auf die gemeinsame Magazinbasis der Familie. Das ist eine klare Aussage zum Logistikkonzept. Eine vollständige Zuordnung aller alten und neuen Magazine, Böden und Griffgrößen ersetzt sie nicht. Besonders die kürzere HK SFP9K A1 muss gesondert betrachtet werden. Eine gesonderte Herstellerangabe zu maritimem Korrosionsschutz oder entsprechenden Prüfungen der jeweiligen A1-Magazine liegt in den ausgewerteten Unterlagen nicht vor. Ebenso wenig lässt sich aus gleicher Kapazität auf ein identisches Magazin schließen.
Das gilt auch für die HK SFP9 SK und HK SFP9CC im aktuellen Behördenprogramm. HK führt sie als eigene Kompaktvarianten, die ausdrücklich als M bezeichnete Ausführung dagegen in Standardgröße. Für SK und CC wurde in den geprüften modellspezifischen Beschreibungen kein entsprechender maritimer Prüf- oder Beschichtungsnachweis gefunden. Über nicht veröffentlichte Behördenkonfigurationen sagt das nichts aus.
Einordnung in die maritime Serie
Die HK SFP9 M zeigt, wie aus einer Dienstpistole eine auf das maritime Umfeld zugeschnittene Ausführung wird. Ihr Profil umfasst den Alltag an der Küste ebenso wie die von HK beschriebenen besonderen Wasserbelastungen. Bei der historischen Einordnung bleibt entscheidend, welche Ausführung ein Nutzer tatsächlich erhalten hat.

Der Herausgeber Uwe Betz hat selbst eine HK SFP9 M im zivilen Handel erworben. Außerdem besitzt er eine zivile HK Mark 23 in Flat Dark Earth (FDE). Dieser persönliche Bezug ist ein Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit den Waffen; die Angaben zu Erprobung und dienstlicher Nutzung beruhen auf den verlinkten Quellen. Eigene maritime Erprobung wird hier nicht behauptet.
Die eigenen Aufnahmen zeigen die SFP9 M und darüber den separat erworbenen Wechsel-Verschluss der SFP9 L OR. Die Nahaufnahmen halten das Anker-/Dreizackemblem am Verschluss und am Magazin der M fest. Der Holzuntergrund wurde farblich bearbeitet; die sichtbaren Waffenmerkmale blieben erhalten.

Ein historisches Handelsangebot ist im WAIMEX-Katalog 2019, Seite 126 dokumentiert. Dort steht die komplette HK SFP9 Maritim ab Bestellnummer 205428 zu einem Preis ab 955 Euro.
Die abgebildete Pistole trägt die Beschriftung „SFP9 M“ und das Anker-/Dreizackemblem. Damit lässt sich der Katalogeintrag der M-Variante zuordnen. Die Aufnahme in diesen allgemeinen Jagd- und Sportwaffenkatalog dokumentiert das damalige Fachhandelsangebot. Wie viele Pistolen an zivile Erwerber ausgeliefert wurden, wie lange sie erhältlich waren oder ob es sich um eine einmalige Freigabe handelte, geht aus dem Eintrag nicht hervor.
Nach Einschätzung des Herausgebers dürfte die SFP9 M in Europa nur selten in zivilem Besitz sein; belastbare Stückzahlen liegen hierzu jedoch nicht vor.
Für die USA meldete ein Nutzer bei HK Proshop am 1. Februar 2022 einen Bestand von 149 Exemplaren beim Händler Arms Unlimited. In seinem zeitgenössischen Forenbeitrag heißt es „149 in stock as of now“. Diese Bestandsmeldung ist keine bestätigte Liefermenge und erlaubt keinen Rückschluss auf die insgesamt für den zivilen US-Markt importierte oder verkaufte Stückzahl.
Wie sich die militärische HK Mk23 Mod 0 als Teil des Offensive Handgun Weapon System (OHWS) aus Pistole, Dämpfer und Laserzielmodul einordnet, behandelt das HK-Mk23-Dossier. Die HK SFP9 M besitzt ein eigenes Anforderungsprofil; eine belegte Ablösung dieses Systemverbunds folgt aus der gemeinsamen maritimen Ausrichtung nicht.